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Mehr InformationenWenn bei dir ein Patellofemorales Schmerzsyndrom diagnostiziert wurde – oder du vermutest, dass du genau das hast – dann bist du hier richtig. In diesem Artikel erfährst du:
- was das patellofemorale Schmerzsyndrom überhaupt ist,
- warum deine MRT‑Bilder oft „unauffällig“ sind, obwohl du Schmerzen hast,
- was du sofort gegen die Schmerzen tun kannst,
- und welchen 4‑Phasen-Trainingsplan du nutzen kannst, um Schritt für Schritt zurück in deinen Sport zu kommen.
Inhalte
Was ist das patellofemorale Schmerzsyndrom?
Der Begriff klingt kompliziert, die Idee dahinter ist simpel:
- Patello steht für die Kniescheibe (Patella)
- Femoral steht für den Oberschenkelknochen (Femur)
- Schmerzsyndrom beschreibt einen komplexeren, meist belastungsabhängigen Schmerz

Das patellofemorale Schmerzsyndrom ist also im Kern eine Bezeichnung für Knieschmerzen hinter oder rund um die Kniescheibe, also im Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen.
Typisch ist, dass Betroffene den Schmerz nicht punktgenau lokalisieren können:
Das Schmerzgebiet ist eher breiter und „wandert“ manchmal sogar leicht.
Typische Symptome: Woran du das Problem erkennst
Häufig verschlimmern sich die Beschwerden bei:
- Kniebeugen
- Springen
- Laufen
- Treppensteigen (vor allem bergab)
- Knien
- langem Sitzen (z. B. Auto, Büro, Kino)
Gerade das lange Sitzen ist sehr typisch und wird oft als „Kinozeichen“ beschrieben:
Nach längeren Autofahrten, Zugfahrten oder Job-Tagen im Sitzen fängt das Knie an weh zu tun.
Das patellofemorale Schmerzsyndrom wird umgangssprachlich auch oft als „Läuferknie“ bezeichnet.
Warum MRT & Röntgen oft „nichts zeigen“ – und dich das frustriert
Viele Betroffene haben bereits eine echte Arzt‑Odyssee hinter sich:
- mehrere Ärzte
- Röntgen, MRT, Ultraschall
- und am Ende heißt es: „Wir sehen nichts, also ist wahrscheinlich alles okay.“
Im schlimmsten Fall wird suggeriert, der Schmerz sei „im Kopf“. Das ist maximal frustrierend.
Wichtig für dich:
Beim patellofemoralen Schmerzsyndrom gibt es in der Regel keine eindeutige, eindeutige Struktur, die man auf einem Bild erkennen kann. Es handelt sich eher um ein Belastungsproblem als um einen klaren Gewebeschaden.
Das kann verunsichern, ist aber gleichzeitig entlastend:
Du musst nicht „die eine kaputte Struktur“ finden, um wieder beschwerdefrei zu werden.
Die eigentliche Ursache: Belastung vs. Toleranz
Das Kernprinzip hinter dem patellofemoralen Schmerzsyndrom lässt sich so zusammenfassen:
Die Belastung auf dein Knie ist höher als das, was dein Knie aktuell toleriert.
Über einen längeren Zeitraum hast du deinem Knie mehr zugemutet, als es verarbeiten konnte:
- zu viel Volumen,
- zu hohe Intensität,
- zu häufig,
- zu schnelle Steigerungen,
- oder eine Kombination daraus.
Die Lösung ist also nicht, einfach „für immer alles zu vermeiden“, sondern:
- Belastung zunächst so zu reduzieren, dass dein Knie wieder hinterherkommt
- Belastung dann schrittweise wieder aufzubauen
Ein weiterer wichtiger Punkt:
Wenn du aufgrund der Schmerzen Angst vor bestimmten Bewegungen (z. B. Treppen, Joggen, Sprünge) entwickelt hast, solltest du diese Aktivitäten nicht dauerhaft meiden, sondern kontrolliert und in kleinen Schritten wieder integrieren. Sonst steigt das Risiko, dass der Schmerz chronisch wird.
Soforthilfe: 3 Dinge, die du heute tun kannst
Was kannst du jetzt sofort tun, um deine Knieschmerzen zu beruhigen?
1. Kniedominante Belastung reduzieren
Reduziere zunächst vorübergehend:
- tiefe Kniebeugen
- Sprünge
- Laufen mit hoher Intensität oder großem Volumen
- Aktivitäten mit vielen Treppen
Ziel: Einen Zustand schaffen, in dem die Belastung geringer ist als die Erholungskapazität deines Knies.
2. Symptombehandlung (Schmerz akut beruhigen)
Hier helfen oft:
- Kälte (z. B. Kühlpack, aber nicht direkt auf die Haut)
- leichte Massage rund um das Knie
- lockere Bewegung im schmerzarmen Bereich (z. B. leichtes Radfahren mit wenig Widerstand)
Ziel ist nicht, „magisch zu heilen“, sondern das System zu beruhigen, damit du besser schlafen, dich bewegen und trainieren kannst.
3. Lebensstil optimieren
Wird massiv unterschätzt, ist aber entscheidend:
- Schlaf: ausreichend und möglichst regelmäßig
- Stress: reduzieren, wo möglich
- Ernährung: eiweißreich, nährstoffreich, möglichst wenig hochverarbeitete Junkfoods
Dein Knie regeneriert nicht im Training, sondern in der Erholung. Wenn Schlaf, Stress und Ernährung mies sind, wird auch dein Reha-Prozess zäh.
Der 4‑Phasen-Trainingsplan bei patellofemoralem Schmerzsyndrom
Die folgende Struktur ist ein Prinzip, kein starres Protokoll. Übungen kannst du variieren – wichtig ist, dass die Belastung gut tolerierbar ist und du sie schrittweise steigerst.
Wir benutzen dabei sechs Stellschrauben:
Intensität, Volumen, Frequenz, Tempo, Komplexität, Bewegungsumfang
Phase 1: Isolierte Übungen (Hamstrings, Adduktoren, Abduktoren)
Ziel: Muskulatur rund um Hüfte und Knie stärken, ohne das Gelenk stark zu provozieren.
Typische Übungen:
- Hamstring Curl (liegend oder sitzend)
- Sitzende Adduktion (Beine gegen Widerstand nach innen führen)
- Sitzende Abduktion (Beine gegen Widerstand nach außen führen)
Am Anfang kannst du:
- den Bewegungsumfang ggf. etwas einschränken
- das Gewicht moderat wählen
- dich auf saubere Technik konzentrieren
Phase 2: Komplexere, hüftdominante Bewegungen
Ziel: Mehr Ganzkörper-Spannung, stärkere Belastung der hinteren Kette, aber weiterhin knieschonend.
Beispiele:
- Rumänisches Kreuzheben (RDL) – beidbeinig und später einbeinig
- Hip Thrust – beidbeinig und später einbeinig
Vorteil beim Hip Thrust:
Du hast schon etwas Kniestreckung dabei, aber nur in einem relativ kleinen Bewegungsumfang, was in der Regel gut toleriert wird. Trotzdem: Starte meist mit RDL, da er oft noch angenehmer ist.
Phase 3: Kniestreckapparat gezielt trainieren
Jetzt geht es darum, gezielt den Kniestreckapparat (Quadrizeps und umliegende Strukturen) zu belasten.
- Isometrische Übungen
- Beinstrecker-Gerät: Knie z. B. bei 60–70 Grad beugen, Gewicht einstellen und halten
- Alternative ohne Gym: Wall Sit (Wandsitz), zunächst in etwas höherer Position, später tiefer
- Reduzierter Bewegungsumfang
- Box Squat: Kniebeuge auf eine Box / Bank mit etwas begrenzter Tiefe
- Split Squat: Schrittstand variieren
- größerer Abstand = weniger Kniebeugung, oft besser toleriert
- kleinerer Abstand = mehr Kniebeugung, späterer Progressionsschritt
- Volle Bewegungsamplitude (wenn gut toleriert)
- Leg Extension im kompletten Bewegungsumfang
- später normale Kniebeugen mit zunehmender Tiefe („Ass to Grass“ als langfristiges Ziel, wenn möglich)
Phase 4: Landungen, Sprünge, Joggen & Sport
Jetzt geht es zurück in dynamische Belastung:
Reihenfolge:
- Landungen üben
- zuerst beidbeinig, später einbeinig
- Sprünge einbauen
- z. B. Depth Jumps, Hops, leichtere Sprungformen
- Joggen starten
- mit kurzen, gut steuerbaren Einheiten beginnen
- Sportartspezifische Belastung
- Richtungswechsel
- Sprints
- typische Bewegungen deiner Sportart
Immer nur so weit gehen, wie dein Knie es gut toleriert – und dann langsam steigern.
Wie oft, wie viel, welches Schmerzlevel?
Damit du den Trainingsplan sinnvoll dosierst, hier klare Leitplanken:
- Häufigkeit:
- 1–3 Einheiten pro Woche
- starte bei hohem Schmerzlevel eher mit 1x/Woche, dann steigern
- Isometrische Übungen (z. B. Wall Sit, Halten am Gerät):
- 30–60 Sekunden halten
- 2–3 Sätze pro Übung
- Dynamische Übungen (z. B. RDL, Hip Thrust, Squats):
- 8–15 Wiederholungen
- 2–3 Sätze pro Übung
- Schmerzskala während & 24h nach dem Training:
- 0–2/10: optimal
- 3–5/10: akzeptabel
- >6/10: zu viel Belastung → nächstes Mal Intensität/Volumen reduzieren
So findest du die richtige Dosis zwischen Überforderung und Unterforderung.
Die 3 wichtigsten Punkte, die du mitnehmen solltest
- Definition:
Das patellofemorale Schmerzsyndrom ist im Kern ein belastungsabhängiger Knieschmerz hinter oder um die Kniescheibe. - Akute Hilfe:
Du kannst deine Schmerzen kurzfristig lindern, indem du- kniedominante Belastungen reduzierst,
- Kälte, Massage und leichte Bewegung nutzt
- und deinen Lebensstil (Schlaf, Stress, Ernährung) optimierst.
- Langfristige Lösung:
Durchlaufe konsequent die vier Phasen:- isolierte Übungen
- komplexere hüftdominante Bewegungen
- gezieltes Training des Kniestreckapparats
- Landungen, Sprünge, Joggen und sportartspezifische Belastung
Wenn du seit Monaten frustriert bist
Wenn du Sportler bist, seit mehr als drei Monaten mit deinen Knieschmerzen kämpfst, schon mehrere Ansätze ausprobiert hast und einfach wieder so schnell wie möglich in deinen Sport zurück willst, dann hol dir Unterstützung:
Über folgenden Button kannst du dir eine kostenlose Schmerzanalyse buchen:
Dort schauen wir uns deine Situation im Detail an und legen gemeinsam einen klaren Fahrplan fest, wie du zurück zu einem belastbaren, schmerzarmen Knie kommst.


