Schmerzen im Ellenbogen – So wirst du den Tennisarm WIRKLICH los!

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Hast du aktuell Schmerzen im Ellenbogen außen? Vielleicht hast du ja auch schon die Diagnose “Tennisarm” bekommen? Vergiss alles, was du über den Tennisarm zu wissen glaubst – heute zeige ich dir, wie du ihn wirklich loswirst!

Konkret schauen wir uns an:

  1. Wie entsteht der Tennisarm?
  2. Wie sieht die Prognose aus?
  3. Was kann man dagegen machen?

1. Wie entsteht ein Tennisarm?

Es wird angenommen, dass der Tennisarm durch eine Überbeanspruchung der Muskeln verursacht wird, die das Handgelenk strecken. Wenn du’s ganz genau wissen willst: der Musculus extensor carpi radialis brevis (ECRB) ist hier mit über 95 % am häufigsten betroffen (Keijsers et al. 2019).

Unterarm Muskulatur Anatomie

Das führt zu einer Abnutzung des Sehnenansatzes. Gewebeproben von Patient:innen mit Tennisarm zeigen größere Veränderungen am Ursprung der Sehne.

Interessanterweise wird zum Tennisarm oft “Epicondylitis lateralis” gesagt, was aber irreführend ist. Immer wenn es in der Medizin auf “itis” endet, sprechen wir von einer Entzündung. Mittlerweile wissen wir aber, dass, wie bei anderen Sehnenbeschwerden, eine Entzündung hier nicht im Vordergrund steht (De Smedt et al. 2007).

Warum erzähle ich das?

Weil Entzündungen in der Regel durch Ruhigstellung, entzündungshemmende Medikamente, Eis und co behandelt werden. Das bringt bei vielen Leuten jedoch relativ wenig, weshalb ich dir in diesem Video den aktuellen Stand der Wissenschaft mitgeben werde.

Ach und noch ein kurzer Fun Fact – etwa nur 5 % aller Leute mit Tennisarm spielen tatsächlich Tennis (Pluim BM et al. 2009).

2. Wie sieht die Prognose aus?

Der Tennisarm ist ein sogenanntes selbstlimitierendes Krankheitsbild. Das bedeutet, dass er bei den meisten Leuten von alleine wieder besser wird (natürlicher Heilungsverlauf sozusagen). 80 % der Betroffenen sind nach 6 Monaten schmerzfrei und nur 1 von 10 Fällen hat nach 12 Monaten noch Schmerzen.

Bevor du jetzt abschaltest, weil du denkst: Ja gut, dann kann ich mir das ja sparen, irgendwelche Videos zu schauen oder Therapie zu machen. Trotz des selbstlimitierenden Charakters wird eine Therapie empfohlen, um den Zeitraum zu verkürzen und weiterhin die Teilhabe am Leben zu ermöglichen (Keijsers et al. 2019).

3. Was kann man dagegen machen?

Wir werden jetzt mal die häufigsten Therapiemethoden für den Tennisarm durchgehen. Mir ist es einfach wichtig, dass du das große Gesamtbild kennst. Dann kannst du nämlich besser einordnen, ob das, was dir von Ärzt:innen oder Therapeut:innen empfohlen wird, überhaupt sinnvoll ist.

Fangen wir an mit Injektionen also Spritzen (meist Kortison) – die werden nämlich sehr, sehr gerne gemacht.

Injektionen:

Es gibt natürlich verschiedene Arten von Injektionen (Cortison, plättchenreiches Plasma, Eigenbluttherapie, Botox etc.), die unterschiedliche Wirkmechanismen haben.

Fangen wir erst mal mit den Cortisoninjektionen an, weil diese am häufigsten gemacht werden.

Auch wenn Cortisoninjektionen kurzfristig helfen, wird in der wissenschaftlichen Literatur mittlerweile davon abgeraten.

Zum einen führen sie dazu, dass die Schmerzen häufiger wiederkommen (Bisset et al. 2011).

Und zum anderen verlangsamen sie auch den Heilungsprozess, weil Kollagen und Proteine abgebaut werden (Barnett et al. 2019).

In größeren Studien, wie der von (Coombes et al. 2010), konnte man sogar feststellen, dass Leute, die Cortisoninjektionen bekommen haben, langfristig schlechtere Ergebnisse erzielt haben, als Leute, die eine Placebo-Behandlung bekommen haben!

Für die anderen Arten von Injektionen ist die Studienlage so widersprüchlich, dass man sie nicht empfehlen kann.

Training:

Training ist der #1 Ansatz bei einem Tennisarm.

Es gibt einige Studien, die zeigen, dass es sinnvoller ist Übungen zu machen, um Schmerzen zu verringern und die Armfunktion zu verbessern als andere Maßnahmen wie Ultraschall oder manuelle Therapie.

Allgemein wird bei Sehnenschmerzen empfohlen, Krafttraining zu machen, weil das sehr gute Ergebnisse erzielt, wenig Geld kostet und die Patient:innen unabhängiger von Therapeut:innen macht (Ortega-Castillo et al. 2016).

Oft hört man ja davon, dass man isometrische Übungen (also Halteübungen) oder exzentrische Übungen (bei der die negative Phase der Bewegung betont wird) machen soll.

Tatsächlich ist das aber nicht wirklich entscheidend. Es gibt zum Beispiel die Studie von (Peterson et al. 2014), die zwar kurzfristig Vorteile bei exzentrischem Training sah, aber langfristig keinen Unterschied feststellen konnte.

Letztendlich geht es hier auch wieder um das Thema Belastungsmanagement. Wenn du zu früh zu viel machst, dann ist es komplett egal, ob du das jetzt durch isometrische Übungen oder exzentrische Übungen gemacht hast.

Bei Sehnenproblematiken kann man sich sehr gut an der 24-Stunden Regel orientieren, die ich auch schon in anderen Videos erwähnt habe.

Der Schmerz während und 24 Stunden nach dem Training sollte bestenfalls unter 3/10 liegen. 5/10 wäre auch noch akzeptabel, aber höher nicht.

Und welche Übungen soll man genau machen?

Bevor wir zu den Übungen kommen, frühstücken wir noch die restlichen Therapiemethoden ab – damit du gut Bescheid weißt.

Manuelle Therapie:

Manuelle Therapie für den Ellbogen, das Handgelenk und die Hals-Brust-Wirbelsäule kann Schmerzen reduzieren und die Stärke des schmerzfreien Griffs direkt nach der Behandlung erhöhen. Die Betonung liegt auf direkt nach der Behandlung – nicht langfristig.

Auch Studien, die speziell in Zeitschriften für manuelle Therapie veröffentlicht wurden, sagen, dass manuelle Therapie nur eine Zusatzbehandlung beim Tennisarm ist und nicht den Hauptteil der Behandlung ausmachen soll (Vicenzino 2003).

Orthesen:

Man kann aus der aktuellen Studienlage keine Empfehlung für Orthesen aussprechen. Ich würde mich also eher auf die anderen Dinge konzentrieren.

Eisbehandlung:

Kann man zumindest aktuell nicht wirklich empfehlen, weil es keinen zusätzlichen Nutzen zu haben scheint (Manias and Stasinopoulos 2006).

Akupunktur:

Akupunktur scheint kurzfristig Schmerzen reduzieren zu können, was die Studie von (Trinh et al. 2004) zeigt.

Lasertherapie:

(Bjordal et al. 2008) zeigen in ihrer Studie, dass Lasertherapie bei einer ganz spezifischen Wellenlänge zu einer kurzfristigen Schmerzlinderung führen kann. Andere Studien zeigen, dass Lasertherapie nicht besser als eine Placebobehandlung ist. Daher kann man sich das Geld meiner Meinung nach sparen.

Ultraschall & Iontophorese:

Aktuell wissen wir nicht, ob diese Maßnahmen einen Nutzen haben, der über den Placebo-Effekt hinausgeht (Bisset et al. 2011). Es wären auf jeden Fall nicht die Therapiemaßnahmen, auf die ich mich verlassen würde. Man könnte sie höchstens als Zusatzmaßnahme in Betracht ziehen.

Stoßwellentherapie:

Die Studienlage ist noch unklar. Aktueller Stand der Dinge ist, dass Stoßwellentherapie im Vergleich zu einer Placebo Behandlung oder anderen Behandlungsmaßnahmen keinen zusätzlichen nutzen zu haben scheint (Dingemanse et al. 2014).

Operation:

Bei den meisten Leuten reicht eine konservative Behandlung absolut aus. Bei ganz wenigen aber nicht. In diesen Fällen kann man über eine OP nachdenken.

Man muss jedoch sagen, dass OPs für den Tennisarm nicht wirklich empfohlen werden können.

In einer aktuellen Übersichtsarbeit konnten man nämlich feststellen, dass OPs keine besseren Ergebnisse erzielen als nicht-operative Maßnahmen oder sogar Placebo Behandlungen (Bateman et al. 2019)

Fairerweise muss man aber sagen, dass die Studienlage hier noch ziemlich dünn ist und es mit Sicherheit auch Leute gibt, bei denen eine OP sinnvoll wäre – das würde ich dann aber am besten persönlich abklären, wenn bei dir alle konservativen Methoden nicht geholfen haben.

Übungen:

So jetzt habe ich dich aber genug auf die Folter gespannt – lass uns ein paar hilfreiche Übungen gegen einen Tennisarm anschauen.

Aus diversen Studien geht hervor, dass wir den Ellenbogen in all seinen Bewegungsrichtungen auftrainieren sollen (Pronation, Supination, Radialduktion, Ulnarduktion, Flexion, Extension). Außerdem wird empfohlen den Oberkörper im Allgemeinen zu trainieren, anstatt sich nur auf den Ellenbogen zu konzentrieren (Vicenzino 2003).

  1. Pronation + Supination mit Kurzhantel
  2. Radial + Ulnarduktion mit Kurzhantel
  3. Flexion & Extension (Kurzhantel oder Quadruped)
  4. Zottman Curl
  5. Andere OK Übungen wie Bankdrücken, Rudern etc.

Literatur

Barnett, J., Bernacki, M. N., Kainer, J. L., Smith, H. N., Zaharoff, A. M., & Subramanian, S. K. (2019). The effects of regenerative injection therapy compared to corticosteroids for the treatment of lateral Epicondylitis: a systematic review and meta-analysis. Archives of physiotherapy9, 12. https://doi.org/10.1186/s40945-019-0063-6

Bateman, M., Littlewood, C., Rawson, B., & Tambe, A. A. (2019). Surgery for tennis elbow: a systematic review. Shoulder & elbow11(1), 35–44. https://doi.org/10.1177/1758573217745041

Bisset, L., Coombes, B., & Vicenzino, B. (2011). Tennis elbow. BMJ clinical evidence2011, 1117.

Bjordal, J. M., Lopes-Martins, R. A., Joensen, J., Couppe, C., Ljunggren, A. E., Stergioulas, A., & Johnson, M. I. (2008). A systematic review with procedural assessments and meta-analysis of low level laser therapy in lateral elbow tendinopathy (tennis elbow). BMC musculoskeletal disorders9, 75. https://doi.org/10.1186/1471-2474-9-75

Coombes, B. K., Bisset, L., & Vicenzino, B. (2010). Efficacy and safety of corticosteroid injections and other injections for management of tendinopathy: a systematic review of randomised controlled trials. Lancet (London, England)376(9754), 1751–1767. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(10)61160-9

De Smedt, T., de Jong, A., Van Leemput, W., Lieven, D., & Van Glabbeek, F. (2007). Lateral epicondylitis in tennis: update on aetiology, biomechanics and treatment. British journal of sports medicine41(11), 816–819. https://doi.org/10.1136/bjsm.2007.036723

Dingemanse, R., Randsdorp, M., Koes, B. W., & Huisstede, B. M. (2014). Evidence for the effectiveness of electrophysical modalities for treatment of medial and lateral epicondylitis: a systematic review. British journal of sports medicine48(12), 957–965. https://doi.org/10.1136/bjsports-2012-091513

Keijsers, R., de Vos, R. J., Kuijer, P. P. F., van den Bekerom, M. P., van der Woude, H. J., & Eygendaal, D. (2019). Tennis elbow. Shoulder & elbow11(5), 384–392. https://doi.org/10.1177/1758573218797973

Manias, P., & Stasinopoulos, D. (2006). A controlled clinical pilot trial to study the effectiveness of ice as a supplement to the exercise programme for the management of lateral elbow tendinopathy. British journal of sports medicine40(1), 81–85. https://doi.org/10.1136/bjsm.2005.020909

Pluim, B. M., Fuller, C. W., Batt, M. E., Chase, L., Hainline, B., Miller, S., Montalvan, B., Renström, P., Stroia, K. A., Weber, K., Wood, T. O., & Tennis Consensus Group (2009). Consensus statement on epidemiological studies of medical conditions in tennis, April 2009. Clinical journal of sport medicine : official journal of the Canadian Academy of Sport Medicine19(6), 445–450. https://doi.org/10.1097/JSM.0b013e3181be35e5

Ortega-Castillo, M., & Medina-Porqueres, I. (2016). Effectiveness of the eccentric exercise therapy in physically active adults with symptomatic shoulder impingement or lateral epicondylar tendinopathy: A systematic review. Journal of science and medicine in sport19(6), 438–453. https://doi.org/10.1016/j.jsams.2015.06.007

Peterson, M., Butler, S., Eriksson, M., & Svärdsudd, K. (2014). A randomized controlled trial of eccentric vs. concentric graded exercise in chronic tennis elbow (lateral elbow tendinopathy). Clinical rehabilitation28(9), 862–872. https://doi.org/10.1177/0269215514527595

Vicenzino B. (2003). Lateral epicondylalgia: a musculoskeletal physiotherapy perspective. Manual therapy8(2), 66–79. https://doi.org/10.1016/s1356-689x(02)00157-1

Trinh, K. V., Phillips, S. D., Ho, E., & Damsma, K. (2004). Acupuncture for the alleviation of lateral epicondyle pain: a systematic review. Rheumatology (Oxford, England)43(9), 1085–1090. https://doi.org/10.1093/rheumatology/keh247

Gino Lazzaro

Gino hat einen Master Abschluss in Sportphysiotherapie. Er arbeitet über seine Firma Perform Perfect intensiv mit Sportler:innen zusammen, die ihre Schmerzen nicht loswerden. Außerdem bildet er in seinem Classroom motivierte Therapeut:innen und Trainer:innen aus.