Öffnet in einem neuen Tab

Hoffaitis seit über 15 Monaten? So würde ich vorgehen!

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

In diesem Artikel schauen wir uns einen der schwierigsten Hoffaitis-Fälle an, die ich aktuell im Coaching betreue.

Es geht um Antonia. Sie ist eigentlich ein sehr aktiver Mensch, hat einen Bürojob und seit etwa 15 Monaten Probleme mit beiden Knien. Inzwischen arbeitet sie nur noch 50 Prozent und fast komplett im Homeoffice. Selbst in ihrer Wohnung bewegt sie sich viel mit dem Bürostuhl und rollt von einem Ort zum anderen, weil normales Gehen schon zu viel sein kann.

Ihre Hauptfrage: Wenn ihre sogenannte Envelope of Function (mehr dazu gleich) so klein ist, dass fast nichts mehr hineinpasst, gibt es dann überhaupt noch eine sinnvolle Strategie?

  • Soll sie in die komplette Entlastung gehen, etwa in einer Reha-Klinik?
  • Soll sie sich zu Hause noch stärker einschränken, und wenn ja, wie?
  • Oder muss man über riskantere Therapiemethoden nachdenken?

Was ist die Envelope of Function?

Die Envelope of Function ist ein Modell, das beschreibt, wie viel Belastung dein Knie verträgt. Es geht ursprünglich auf den Orthopäden Scott Dye zurück.

Envelope of Function Scott Dye
Envelope of Function Scott Dye

Die Zonen im Überblick

  • Unterhalb der Linie (weißer Bereich): Diese Belastung verträgt dein Knie gut.
  • Ganz unten (hellgrauer Bereich): Hier ist die Belastung so gering, dass die Belastbarkeit deines Knies mit der Zeit abnimmt.
  • Oberhalb der Linie (dunkelgrauer Bereich): Hier wird das Knie überlastet. Schmerzen und Symptome nehmen zu.
  • Ganz oben (oberer weißer Bereich): Die Belastung ist so hoch, dass es zu Verletzungen kommen kann.

Wo liegt Antonias Alltag?

Bei Antonia liegt schon der Alltag, und zwar ihr stark eingeschränkter Alltag, im dunkelgrauen Bereich, also oberhalb der Envelope of Function.

Und hier kommt ein entscheidender Punkt.

Warum weniger Reizung automatisch mehr Belastbarkeit bringt

Ich habe gerade gesagt, dass die Belastbarkeit des Knies sinkt, wenn du es zu wenig belastest. Das stimmt. Aber wenn du dein Knie dauerhaft überlastest, weil du zu viele Schritte machst, Rad fährst oder bei Antonia einfach schon der Alltag zu viel ist, dann sinkt deine Envelope of Function noch viel stärker. Dein Knie ist permanent irritiert.

Deshalb kann es so sinnvoll sein, die Belastung einmal deutlich herunterzufahren. Ist das Knie nicht mehr dauerhaft gereizt, verträgt es automatisch wieder mehr. Aktivitäten, die vorher wegen der akuten Reizung Beschwerden gemacht haben, sind dann plötzlich kein Problem mehr.

Ein Vergleich: Wenn du dir in den Finger schneidest, lässt du ihn ein paar Tage in Ruhe. Du denkst dir nicht: „Ich muss jetzt die Belastbarkeit meiner Haut aufbauen, damit sie nicht abnimmt.” Du lässt die Haut heilen, und dann kannst du automatisch wieder viel mehr machen.

Schmerzmodulation: Eine Option bei Hoffaitis?

Antonia nutzt zu Hause TENS, also Elektroden an den Knien, mit denen sie in der Wohnung herumläuft. Damit sind leichte Belastungen schmerzarm oder sogar schmerzfrei möglich. Ihre Frage: Kann man so eine Art Exposition im Alltag machen, also unter gedämpfter Schmerzempfindlichkeit belasten?

Warum der Hoffasche Fettkörper anders ist als eine Sehne

Bei einer Hoffaitis gibt es einen starken strukturellen Treiber. Bevor ich sage, wir ignorieren das oder dämpfen das Schmerzsignal mit Eis, Elektrotherapie und Co. so stark, dass wir einfach weitertrainieren, würde ich mehrere Anläufe nehmen, die Belastung stärker zurückzufahren, damit sich der Hoffasche Fettkörper erholen kann.

Der Grund: Der Hoffasche Fettkörper ist nicht wie eine Sehne. Bei einer Sehne kann man sagen: Training mit einem Schmerzlevel von 3, 4, manchmal sogar 5 von 10 ist okay, weil sie sich an Belastung anpasst. Beim Hoffaschen Fettkörper ist das nicht der Fall. Er passt sich nicht positiv an Belastung an, etwa indem er dadurch mehr toleriert.

Vereinfacht gesagt hat er zwei Zustände: gereizt oder nicht gereizt. Dazwischen gibt es ein Spektrum, wie stark er irritiert ist, aber keinen Trainingseffekt im klassischen Sinne.

Aber: Bei langen Verläufen spielt das Schmerzsystem eine große Rolle

Trotzdem ist Antonias Punkt wichtig. Aus der Schmerzforschung wissen wir: Je länger Schmerzen anhalten, desto eher kommt eine zentrale Komponente dazu. Einfach gesagt ist das Schmerzsystem dann in Alarmbereitschaft. Es braucht immer geringere Reize, um eine starke Schmerzreaktion auszulösen, obwohl im Knie selbst vielleicht alles okay aussieht.

In so einem Fall kann ein Ansatz mit Schmerzmodulation, etwa mit Eis oder Elektrotherapie, sinnvoll sein. Er gibt dem Schmerzsystem die Chance neu zu lernen, dass Belastung nicht automatisch Schmerz bedeutet.


Wo stehst du gerade in deiner Kniereha?

Wenn du diesen Artikel liest, hast du wahrscheinlich schon seit Wochen oder Monaten Stress mit deinem Knie und fragst dich ständig, wie es weitergehen soll.

Genau dafür habe ich einen kostenlosen 1-Minuten-Selbsttest gebaut. Er zeigt dir, in welcher Phase deiner Kniereha du gerade feststeckst und was die nächsten sinnvollen Schritte für dich sind. Du beantwortest ein paar einfache Fragen zu deinem Schmerz, deinem Alltag und deinem Training und bekommst dein Ergebnis inklusive Tipps direkt per Mail.

👉 Jetzt zum kostenlosen Selbsttest


Der Gameplan: Relative Rest zu Hause testen

Mein Vorschlag für Antonia: ein klarer Plan mit einer festen Deadline, wie lange sie die Strategie durchzieht.

Ich bin überzeugt, dass man zuerst ein Relative-Rest-Szenario zu Hause testen sollte. Relative Rest bedeutet, die Belastung für das Knie im Alltag so weit wie möglich herunterzufahren, aber eben nicht komplett auf null.

Warum nicht direkt zu riskanteren Methoden greifen?

Meiner Erfahrung nach gehen viele zu schnell in Richtung intensiverer Therapiemethoden, etwa eine Teil- oder Komplettentfernung des Hoffaschen Fettkörpers, ohne einem echten Pause-Szenario eine realistische Chance zu geben.

Stell dir Antonias Belastbarkeit wie ein Fass vor: Es ist allein durch den Alltag schon voll. Kommt Training oben drauf, läuft es über.

Deshalb wollen wir, mit Blick auf die Envelope of Function, die Alltagsbelastung noch etwas weiter senken, sodass sie wieder im weißen Bereich liegt, den das Knie gut toleriert.

Simpel, aber alles andere als einfach

Antonia bringt den schwierigsten Punkt selbst auf den Tisch: In der Praxis ist das kaum durchzuhalten, gerade nach 15 Monaten Reha. Selbst wenn sich nach zwei Wochen eine positive Richtung zeigt, ist es nicht vorbei. Die Belastung, die man anfangs wieder dazunehmen kann, bleibt noch für Monate sehr gering.

Das stimmt. Es ist simpel, aber alles andere als einfach. Genau deshalb ist es so sinnvoll, diesen Weg nicht allein zu gehen, sondern Unterstützung zu haben und den Prozess gemeinsam zu durchlaufen.

Was du aus Antonias Fall mitnehmen kannst

Das war keine Happy-End-Story. Mir war wichtig, das trotzdem zu zeigen, weil es vielen Menschen mit einer Hoffaitis so schlecht geht.

Was kannst du mitnehmen, wenn du selbst eine hartnäckige Hoffaitis hast?

1. Du brauchst ein klares Belastungsmodell statt Ratespiel
Die Envelope of Function hilft dir zu verstehen, wo dein Alltag und deine Belastung in dieser Kurve liegen. Bist du dauerhaft im dunkelgrauen Bereich, obwohl du schon viel reduziert hast? Oder gibt es Aktivitäten, die noch sicher im weißen Bereich liegen?

2. Totaler Stillstand ist nicht die erste Option
Bevor du über riskantere Maßnahmen oder eine Reha-Klinik nachdenkst, lohnt es sich fast immer, ernsthaft ein gut geplantes Relative-Rest-Szenario zu testen.

3. Ab einem gewissen Punkt spielt das Schmerzsystem eine große Rolle
Gerade bei langen Verläufen kann das MRT okay aussehen, während das Schmerzsystem auf Alarmbereitschaft steht. Dann braucht es beides: den Hoffaschen Fettkörper durch Training nicht weiter reizen und gleichzeitig Strategien finden, die den Schmerz reduzieren, damit das Schmerzsystem insgesamt weniger sensibel wird.

Gino Lazzaro

Gino hat einen Masterabschluss in Sportphysiotherapie. Er hilft Sportlern die seit über 3 Monaten Schmerzen haben, zurück in die Aktivität zu kommen - mit einem speziellen Fokus auf Knieschmerzen (Arbeite mit Gino zusammen - unverbindliches Erstgespräch). Außerdem bildet er Therapeuten evidenzbasiert aus (jetzt dem Inner Circle beitreten).

Coming soon 😍

The Tendon Pain Guide will be available in a bit. We're currently working on the translation. Fill out the form below and I'll notifiy you, as soon as the book is available.

Coming soon 😍

Pain Therapy will be available in a bit. We're currently working on the translation. Fill out the form below and I'll notifiy you, as soon as the course is available.

Coming soon 😍

Pain Free Athlete will be available in a bit. We're currently working on the translation. Fill out the form below and I'll notifiy you, as soon as the book is available.

Coming soon 😍

Pain Basics will be available in a bit. We're currently working on the translation. Fill out the form below and I'll notifiy you, as soon as the course is available.
Veröffentlichte Formulardaten können nicht gelesen werden